Wichtige Ankündigung

«Wenn eine Pflanze nicht gemäss ihrer Natur leben kann, stirbt sie; und so ein Mann»

Henry David Thoreau

Liebe Leser/innen

Bereits heute sind in der Schweiz drei Viertel aller einheimischen Fischarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben. Als Fischerguide, Instruktor und Inhaber eines Kleinunternehmens im Bereich Fliegenfischen sind diese Zahlen alarmierend für mich. Was derzeit schwarz auf weiss in vielen Studien belegt wird, merke ich auch täglich in meinem Berufsalltag. Fliegenfischer/innen suchen fieberhaft nach den letzten geheimen Gewässerperlen der Schweiz. Die Rückzugsgebiete der wilden Forellen und Äschen sind immer stärker unter Druck. Über Social Media werden viele grosse Fische geteilt, jedoch nicht deren Fangort. Denn die grossen Fische sind rar geworden. Herr und Frau Schweizer zieht es darum immer häufiger ins Ausland, wo die Fischbestände intakt sind und eine erfolgsversprechende Fischerei (noch) möglich ist. Catch and Release wird als Wunderwaffe dargestellt und trotzdem verboten. Die Fischerei, egal wie nachhaltig sie auch gestaltet wird, ist ein zweischneidiges Schwert geworden. Und viele wundern sich, warum niemand etwas dagegen unternimmt.

Intakte Gewässer, unberührte Lebensräume und die wilde Natur stellen wichtige Pfeiler für das Konzept von FLYTASTIC dar. Als naturverbundener Mensch habe ich stets versucht, die Gratwanderung zwischen Natur und Gesellschaft zu meistern. Dank einer Bildsprache, welche die Natur als gesamtes ins Zentrum rückt, dank einem starken Webauftritt und dank einem ausgeprägten Dienstleistungsgedanken ist es mir trotz den derzeit allgegenwärtigen Umwelteinflüssen gelungen, ein kleines, feines und rentables Unternehmen auf die Beine zu stellen.

Wenn ich als Guide und Naturliebhaber nun die letzten Perlen preisgebe und damit den abgeschirmten Lebensraum der bedrohten Fische öffentlich zugänglich mache, habe ich kein gutes Gefühl dabei. Wenn ich als Reiseveranstalter in den Flieger sitze, um die halbe Welt jette mit dem Ziel, den einen oder anderen Fisch mehr zu fangen oder dies meinen Kunden zu ermöglichen, habe ich kein gutes Gefühl dabei. Und wenn ich ein Guiding verkaufe mit dem Wissen, dass kein einziger Fisch gefangen wird, habe ich auch kein gutes Gefühl dabei. Wenn mein Gefühl also nicht gut ist, warum sollte ich dann überhaupt noch Guidings anbieten?

Genau diese Frage habe ich mir oft gestellt. Als motivierter Kleinunternehmer habe ich das Problem teilweise verdrängt oder wirtschaftlich tragende Lösungen gesucht; als Yanick hat sie mich jedoch stark beschäftigt. Ich bin ein Mensch, der auf das Bauchgefühl hört. Ich bin ein Mensch, der manchmal radikale und entschlossene Wege geht und ich bin ein Mensch, der das Glück und Privileg geniesst, eigenständig und auf Unterstützung vom nächsten Umfeld zählend, Entscheidungen treffen zu dürfen.

Daher habe ich mich entschlossen, nach der Sommersaison 2024 die Fliegenrute beruflich zur Seite zu legen um sie gegen einen Kugelschreiber einzutauschen. Am 9. September 2024 zieht es mich in ein weiteres Vollzeitstudium, einem Bachelor in Digital Business Management. FLYTASTIC wird ab dann zu einem meiner lehrreichen, abgeschlossenen Lebensabschnitte gehören, welchen ich nicht missen möchte.

Da die Buchungen für den Frühling und Sommer 2024 bereits heute zahlreich bei FLYTASTIC eingegangen sind, werde ich diese Saison mit gleichem Einsatz und mit der gleichen Liebe zum Detail weiterführen. Alle gebuchten Dienstleistungen bleiben bestehen und werden plangemäss durchgeführt. Für mich ist es jedoch an der Zeit, in neue Gewässer zu stechen und meinen Horizont ein weiteres Mal zu erweitern. Ich freue mich riesig auf diesen Schritt und bin mir sicher, den richtigen zu tun.

Ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufgrund eines Bauchgefühls und querdenkerischen Ansichten aufzulösen, scheint für viele fragwürdig. Für mich jedoch ist es ein kleiner Beitrag an etwas Grösseres. Es ist ein Beitrag, der Natur den dringend benötigten Freiraum zu geben. Die Fischer und Fischerinnen der Schweiz leisten bereits heute sehr viel freiwillige Arbeit, den Bewohnern unserer Gewässer eine Stimme zu geben. Ich werde mich auch in Zukunft intensiv dafür einsetzen, dass die Fischerei in der Schweiz nicht als Untat, sondern als Passion und als unterstützenswert betrachtet werden kann.

An dieser Stelle möchte ich mich von Herzen bei all jenen Menschen bedanken, welche mir diese wertvolle Erfahrung ermöglicht haben. Ich bedanke mich bei meiner Freundin Camille, bei meiner Familie, bei meinen Freunden, bei meinen Kunden und bei meinen Geschäftspartnern. 

Mit lieben Grüssen und bis bald, auch am Wasser

Yanick Hort