fliegenschnur mit köpfchen

Eine Kurze Erklärung

Let's talk about taper. Now! and not later

Das Taper einer Fliegenschnur ist wichtiger als du denkst! Lese in dieser Slideshow mehr darüber. ----> Swipe

TAPER?!

Die Tapire (Tapirus) sind die einzige rezente Gattung der im Deutschen gleichnamigen Säugetierfamilie (Tapiridae) aus der Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla). Diese Aussage ist nicht falsch, hat aber mit dem TapEr nichts zu tun. Taper ist englisch, wird als "teipär" ausgesprochen und bedeutet nichts anderes als Verjüngung. Da sich FLYTASTIC  mit dem Fliegenfischen befasst, sprechen wir hier also von der Verjüngung der Fliegenschnur.

Warum braucht es ein Taper?

Du wedelst deine Fliegenschnur nicht ohne Grund! Das Ziel ist die Beförderung deiner Fliege zum Fisch. Dafür bringst du durch pure Manneskraft Bewegung und Energie in deinen Stecken. Gebündelt wird diese Power dann über die Rutenspitze auf die Schnur gebracht. Wenn du mir nicht glaubst, nimm deine Peitsche und haue mal kräftig gegen die Wade deines Kameraden. 

Hast du schon einmal einen Hecht mit einer 14er Trockenfliege gefangen?! Ich jedenfalls nicht. Fliege ist nicht gleich Fliege. Vom Federlein bis zum halben Hühnchen vom Grill ist da so ziemlich alles dabei. Ausserdem wirfst du auch nicht jedes mal genau 12.57 Meter weit. All diese Faktoren haben einen Einfluss auf deine Fliegenschnur und deren Energieverteilung. Und genau darum sind verschiedene Taper entstanden. Welche Schnur du wann fischen solltest, kannst du später in diesem Beitrag lesen. Nun zeige ich dir zuerst, welche Arten von Taper es gibt und wofür diese entwickelt wurden.

DT- DOUBLE TAPER

Wir schreiben das Jahr 1969. Die Hippies kommen so richtig in Fahrt und Neil Armstrong schwingt seine Hüften auf dem Mond. Die Einführung der ersten verjüngten Fliegenschnur war nur ein sehr kleiner Schritt für Neil, ein riesen Schritt jedoch für den modernen Fischer.
Double Taper = Doppelt Verjüngt. Der Durchmesser des Belly's, auf deutsch Bauch genannt, wird daher am Anfang und am Schluss der Schnur auf einer Länge von ungefähr 7ft. (1ft. = 30.48 cm) reduziert. Bauch, Verjüngung, reduzuert?! Tönt wie aus der neusten Schönheitswahn-Werbung... Alles viel Geschwätz und viel Gelaber! Schau dir einfach das Bild von oben an und du verstehst was ich meine.

Wofür?!

Diese Schnur wird heute nur noch selten gefischt. Sie eignet sich gut für Rollwürfe und gemütliches, langsames Werfen mit Trockenfliegen am Bach. Sollte die Verjüngung am einen Ende mal beschädigt sein, kannst du die Schnur jederzeit umkehren. Sie wirft wieder wie zuvor.
Einsatzgebiet: Fischen mit Trockenfliegen am Bach oder schmalen Fluss.

WF- Weight Forward

Die Zeichnung wird nun ein wenig komplizierter. Folgendes muss kurz erwähnt werden: Bei der WF Schnur sprechen wir häufig vom Kopf und von der Running Line. Der Kopf enthält das Gewicht und somit die Power, deine Fliege nach vorne zu schmettern. Der Kopf lädt deine Rute und ist somit entscheidend über Erfolg und Misserfolg. 
Die Runningline ist dünn und level, also unverjüngt. Sie schiesst mit nach vorne. Einfluss auf den Wurf hat sie ausser der Reibungskraft und Windanfälligkeit eher wenig. Achte beim Kauf darauf, dass die Runningline angenehm in deinen Fingern liegt. Schliesslich strippst du sie hunderte male wieder ein.

Fischen mit köpfchen

Der Kopf besteht aus dem Front Taper, dem Belly und dem Rear Taper. Meines Erachtens ist das Front Taper, also die vordere Verjüngung nach dem Belly, der wichtigste Teil des Kopfes.
Wie vorher schon erwähnt, gibt es grosse und kleine Fliegen. Eine kleine Mücke verlangt ein langes Front Taper und ein feines Vorfach. Sie muss delikat presentiert werden. Eine Hechtfliege braucht Wucht und Power, somit ein kurzes Front Taper. Die Hersteller vereinfachen dir das mit folgenden Begriffen:

Presentation Taper = Langes Front Taper = feine, delikate Präsentation = 6-8 ft.

Power Taper = kurzes Front Taper = kräftige Keule für grosse Fliegen = 

High Performance = übergewichtige Schnur = Bessere Ladung schneller Ruten für weite Würfe


Nun kennen wir das Front Taper genügend gut. Wichtig ist jedoch auch die Länge des gesamten Kopfes. Und ja, meine Herren, hier kommt es wohl auf die Länge an! Merke dir: je grösser der Bauch, je länger der Kopf, umso länger der....WURF.  Sogenannte "long Distance" Schnüre sind nichts für das Quellwasserbächlein in den Schweizer Alpen. Du kannst deine Rute mit solch einem Langen Kopf schlicht zu wenig laden. Am See bringt solch ein langer Kopf (50-60 ft. inkl. 15ft. Front Taper) jedoch Stabilität in der Luft bei weiten Würfen.

Komm auf den Punkt!

Wer in diesem Artikel eine Schnurempfehlung erwartet hat, wird hiermit offiziell enttäuscht. Es ist schlicht unmöglich, sämtliche Taper für alle Situationen aufzulisten. Gerne helfe ich dir jedoch weiter, wenn du mir dein Gewässer und die Ausgangslage kurz schilderst.
Schreibe mir eine Nachricht oder melde dich über das Kontaktformular. 
Ich helfe dir gerne

Tight Lines und viel Spass beim Wedeln!


Traumberuf Fliegenfischer guide

Den ganzen Tag die Fliege wedeln, mit den Kunden quatschen, draussen sein, Spass haben und dabei noch Geld verdienen. Simple as that. Fliegenfischer Guide - ein Traumberuf? Ja! Aber ganz so einfach ist es eben doch nicht. 

Realität

Um ehrlich zu sein: Falls du das grosse Geld verdienen willst, geh zur Bank. Dort kriegst du sogar deinen Espresso noch in der vorgeheizten Tasse serviert. Der Beruf als Guide ist nicht bequem. Es gibt kein Bachelor Studium mit anschliessender Anstellung beim Bund als Head of Trout oder Äschinator. Guiden bedeutet auch nicht fischen, sondern begleiten. Lass die Vorstellung des gemütlichen Angelausfluges also zu Hause im Bett liegen und wach endlich auf.

Ist ein Guide also masochistisch veranlagt? Lebensmüde? Unternehmerisch blind? Naja, von allem wohl ein bisschen. Ein Fliegenfischer Guide sollte sein Handwerk aus Passion und mit Überzeugung ausüben. Sonst ist der Weg zum Erfolg wohl härter als der dickste Bling Bling Klunker auf Kim Kardashians Goldkette.

Ich begleite meine Kunden gerne ans Wasser. So gerne, dass ich meinen sicheren Hafen und gutbezahlten Job an den Nagel gehängt habe, um mich voll und ganz dem Fliegenwedeln zuzuwenden. Lese weiter und erfahre warum.


Ein tag als Guide

Ein Tag als Guide beginnt schon vor der Kontaktaufnahme durch den Kunden. Durch den Internetauftritt machst du dein zukünftiges Opfer zum ersten Mal hungrig. Mit Bildern von riesigen Forellen, brachialen Hechten und graziösen 50er Äschen geilst du ihn auf. Und schon beginnt er, der Anfang vom Ende. Falsche Erwartungen stecken durch falsch vermarktete Trips. Als ich vor mehr als fünf Jahren in British Columbia für eine Fischerlodge im Einsatz stand, waren die Erwartungen der Kunden riesig. Zehn Königslachse, 12 Steelheads und mindestens 20 Cohos müssen es schon werden. Und ja keine Buckellachse. Die sind ja nix. In Vergessenheit ging die malerische Landschaft, das Erlebnis mit dem Jetboat, das feine Essen und die wilden Tiere. Wenn die versprochenen Fänge dann ausblieben, so wurde die Stimmung trüber als dein Hausbach bei Hochwasser. Ein Guide soll sein Abenteuer ehrlich und transparent verkaufen. Auf meine Guidings bezogen heisst das: Ja, wir fangen wohl was, aber erwarte keinen Blauwal. Die Natur und das Erlebnis stehen im Zentrum, nicht die 60er Forelle.

Hat der Guide den Trip verkauft, die Kohle also garantiert im Sack, so beginnt der Spass. Denkste. Die Vorbereitung braucht Zeit. Auto saugen, Fliegen sortieren, Material Checkliste abhaken, Mittagessen vorkochen, Schnüre reinigen und und und. Klar, ein Minimalist bringt ein Sandwich mit und überlässt den Transport dem Kunden. Ich hasse Sandwiches. Diese vertrockneten zwei Scheiben Brot, mit dem labrigen Salat und dem Pressschinken von der Tankstelle finden den Weg ans Wasser nur selten. Ein warmes Risotto im Herbstnebel, direkt am Wasser, mit frisch gesuchten und gebratenen Pilzen. Da blüht der Koch in mir auf. Falls du jetzt denkst, das ist ja sowas von übertrieben, es geht ums Fische fangen, so hast du vielleicht recht. Nur: Dein Guide kann den Fang nie garantieren, ein Gesamterlebnis jedoch schon.

Jetzt ist es so weit. Der Kunde ist da. Rute raus der Spass beginnt. Der Kunde schwingt elegant den Stecken hin und her, die steigende Forelle saugt die Trockene ein und alle jubeln. Hip hip hurra. Bla bla bla. Auf Youtube und anderen obszönen Websiten kannst du dir solche Fantasien aufbauen mein Freund. Die Realität aber sieht anders aus. Der Kunde packt die Rute aus, ein alter Schwabbelstock inklusive Schusskopf mit atemberaubender Durchschlagskraft. Die auf Aliexpress bestellten Fliegen sehen nicht mal in der Box gut aus. Über das fehlende Floatant oder den vergessenen Watschuh sprechen wir gar nicht erst. Guiding bedeutet begleiten. Egal wen. Es bedeutet, dem Kunden ein positives Erlebnis zu schaffen. So ist es die Aufgabe des Guides, bei fehlendem Material auszuhelfen, bei mangelhafter Technik zu coachen, bei Hunger zu kochen oder bei offenen Schnürsenkeln diese zu binden. Es ist nicht dein Tag, sondern jener des Kunden. Ein Guide muss also auch sehr viel können. Dieses Können muss er sich über Jahre hinweg bewusst aneignen und im richtigen Moment abrufen können. Steht die dicke Trutte hinter dem fiesen Stein mit dem Ast drüber, so muss er dem Kunden den superparabolischen highend  Schlangensidesupercast erklären oder sogar zeigen können. Er muss auch Geduld haben und sich bewusst sein, dass der 80 Jährige Max vielleicht den oben erwähnten Wurf nicht auf Anhieb hinbringt und die fette Beute ausbleibt. Wer weiss, vielleicht ist es dem Max auch völlig Schnuppe, denn mit dem Alter kommt bekanntlich die Weisheit und Gelassenheit.  Kunde ist nicht gleich Kunde. Der Max solls ja einfach geniessen können.

Wenn du am Schluss des Tages, lange nach der Verabschiedung deines Fishing Buddies, all dein Equipment noch reinigen und sortieren musst, dir Mundwinkel wehtun vom Erklären und du kaputt bist wie nach einer durchzechten Partynacht, so weisst du, dass es ein guter Tag am Wasser war. 


Warum also?

Ich liebe es, ein Erlebnis zu schaffen. So ist für mich ein Guiding Tag auch nach zahlreichen Trips noch immer ein Abenteuer, ein Lernprozess und eine Bereicherung. Ohne Fliegenfischer Guidings wäre ich nicht jedes Jahr fast einen Monat in Schweden, ich würde nicht am nebelverhangenen Äschenfluss ein Risotto kochen und ich hätte auch nicht so spannende und tolle Menschen kennenlernen dürfen. Für mich braucht es diese oben beschriebenen Herausforderungen in einem Beruf und für mich gibt es nichts Schöneres. Für mich ist es der schönste Job der Welt.